HM Die Casting
Aluminium Druckguss Porosität
Qualität & DFM8 Min. Lesezeit · Feb 2026

Porosität im Aluminium Druckguss: Ursachen verstehen und vermeiden

Von Sam Lau, HM Die Casting · Feb 2026

Porosität ist der häufigste Qualitätsmangel im Aluminium Druckguss. Sie entsteht während der Erstarrung oder durch eingeschlossenes Gas – und ist in vielen Fällen durch gute Konstruktion und Prozessoptimierung deutlich reduzierbar.

Was ist Porosität im Druckguss?

Porosität bezeichnet Hohlräume im erstarrten Gussteil. Diese können mit bloßem Auge unsichtbar sein, beeinflussen aber Festigkeit, Dichtheit und Bearbeitbarkeit erheblich. Man unterscheidet zwei Haupttypen: Gasporosität und Schwindungsporosität.

Gasporosität

Eingeschlossenes Gas (Luft, Wasserdampf, Werkzeuggas) bildet kugelförmige Poren – typisch gleichmäßig verteilt.

Schwindungsporosität

Volumenschwund beim Erstarren ohne ausreichende Nachspeisung – unregelmäßige, dendritische Hohlräume.

Gasporosität

Gas wird beim schnellen Einschuss eingeschlossen. Ursachen: zu hohe Einschussgeschwindigkeit, unzureichende Entlüftung der Form, Feuchtigkeit in der Schmelze oder an der Formwand. DFM-Maßnahmen:

  • Anguss- und Laufkanal so gestalten, dass Luft gerichtet entweichen kann
  • Entlüftungskanäle an den letzten Füllstellen vorsehen
  • Wandstärken gleichmäßig halten – lokale Verdickungen erhöhen Einschlussrisiko
  • Auf scharfe Richtungswechsel in der Fließbahn verzichten

Schwindungsporosität

Aluminium schwindet beim Erstarren um ca. 6,5 %. Bereiche mit lokalen Massenansammlungen (dicke Wandbereiche, Rippen-Knotenpunkte) erstarren zuletzt ohne ausreichende Schmelzenachspeisung und bilden Lunker.

Qualitätsprüfung Druckguss

Röntgen- und CT-Prüfung ermöglichen zerstörungsfreie Porositätsbewertung.

DFM-Konstruktionsmaßnahmen

Gleichmäßige Wandstärken

Wandstärkensprünge erzeugen Thermokonzentration. Übergänge mit R ≥ 1,5 × Wanddicke gestalten.

Rippen statt Massiv

Rippen: Dicke ≤ 60 % der Grundwand, Höhe ≤ 3 × Wanddicke.

Angussposition optimieren

Schmelze soll von dünn nach dick fließen – dicker Bereich zuletzt füllen.

Kerne & Schieber nutzen

Hohlräume in dicken Bereichen reduzieren Massenansammlung massiv.

Entformungsschrägen ≥ 1°

Verhindert Reißen beim Entformen, das Sekundärporosität einleitet.

Prozessmaßnahmen

Neben der Konstruktion gibt es prozessseitige Optimierungen: Vakuum-Druckguss reduziert Gaseinschlüsse durch Evakuierung der Kavität vor dem Einschuss. Squeeze Casting erhöht den Nachdruck erheblich und reduziert Schwindung. Optimierte Temperaturführung (Schmelzentemperatur 650–700 °C, Formtemperatur 200–300 °C) minimiert Lunkerrisiko.

Prüfmethoden

MethodeErkennungAnwendung
Röntgen (X-Ray)Interne Poren, LunkerSerienbegleitung, Erstbemusterung
CT-Scan3D-PorositätskartierungEntwicklung, Qualifizierung
FarbeindringprüfungOberflächennahe RisseSicherheitsteile
Druckprüfung (Lecktest)DichtheitsfehlerGehäuse, Ventile, Pumpen

Fazit

Porosität ist kein Schicksal – sie ist in den meisten Fällen durch gute DFM-Konstruktion und sorgfältige Prozesskontrolle auf ein technisch akzeptables Niveau reduzierbar. Bei HM Die Casting führen wir jedes Bauteil durch eine Formflusssimulation, bevor das Werkzeug gebaut wird. So sehen Sie potenzielle Porositätsstellen bereits auf dem Bildschirm – nicht erst am Serienteil.

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